Post von Wagnah

Was unser Deutschland bewegt.

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Sehr geehrter Karl-Theodor zu Guttenberg,

die Geschichte kennt viele Zufälle. Mein Opa zum Beispiel erfand den selbstklebenden Duschvorhang. Zeit seines Lebens wurde er dafür belacht. Ihr Opa hingegen erfand den Buchdruck. Was wir ohne den Buchdruck wären, ist kaum vorstellbar. Ich hätte zumindest sehr viel weniger Geld. Das ist kaum vorstellbar.

Sie, Herr zu Guttenberg, waren treues Mitglied der CSU. Ein kluger, fescher, junger Mann. Sie waren innovativ, wild, jung, hatten Herz, Beat und Style. All das, was die junge Generation “crasy” (dt.: “verrückt”) und “freaky” (dt.: “verrückt”) findet. Sie haben der politikverdrossenen Jugend eine Stimme abgegeben, haben Wehrpflicht und Musterung abgesetzt. Auch meine Mama war entschiedene Gegnerin der Musterung. Nachdem sie irrtümlich zum Bund eingezogen wurde.

Apropos eingezogen. Sie sind derweil umgezogen. In die USA. Nachdem graue Hinterbänkler, Futterneider, Wehrpflicht-Weirdos und Meckermerkler Sie stürzten, dreist Plagiatsfehler in eine Wahlkampfrede von Ihnen einfügten. Später gaben Sie zu, Ihre Wahlkampfrede sei von inhaltlichen Fehlern durchtränkt. Oder war das doch Ihre Doktorarbeit? Bin zu faul zum Recherchieren gerade. Sie wissen doch, Karl-Theodor, wie wir Männer halt so sind.

Die Pet Shop Boys (schwul) sangen einmal: “Go west!” (dt.: “Gehen Sie in den Westen!”). Auch ich (heterosexuell) stimme nun in den Chor ein. Hoffentlich gefällt es Ihnen da. Sonst kommen Sie einfach zurück. Wir brauchen Sie hier. 

Du fehlst mir.

Herzlichst,

dein Franz-Josef Wagnah (für dich auch ruhig Franzi)

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Sehr geehrter Giorgos Papandreou,

Ihr Name ist ein Ungetüm. Das Wort “Papa” steckt drin, gibt Ihrem Erscheinungsbild für uns Deutsche eine Art von väterlicher Wärme.

Doch Sie haben nichts Warmes mehr, zumindest nichts Warmes mehr anzuziehen, wenn das mit der Finanzlage in Ihrem Lande (Griechenland) so weitergeht.

Dann heißt es: zero Zaziki ohne Ouzo. Und Sie Gyrosgrieche können nur noch mühsam mageres Fleisch von dem Gerippe des Pleitegeiers nagen. Heißt Griechenland bald Geierland? Ich hoffe das nicht.

Griechenland muss bleiben, was es ist: Sommer, Sonne, Strand, Schnaps. Barbusige Vollblut-Frauen, heiße Helleninnen, mit ordentlich cash, damit ich ihnen nicht die Drinks ausgeben muss. Auch das Hotelzimmer bezahlen sie. Ich bezahle sie nur, wenn alles schon gelaufen ist.

Wäre dieses Land jemals bankrott, könnte ich Ihnen das kaum verzeihen, Herr Papandreou. Schade um den schönen Nachnamen.

“Griechenland wird alle Schulden zurückbezahlen, und wenn es lange dauert”, sagten Sie beim Elite-Besuch bei Krisenkanzlerin Meckermerkel in Billigberlin. Berlin ist arm, aber sexy. Ihr Land ist das auch.

Darauf’n Schnaps.

Herzlichst,

Ihr Franz-Jorgos Wagnahdreou

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Anonym fragte: So habe ich eine bescheidene Frage als Leser ihrer Zeitung, ihrer Kolumnen und habe ihre zahlreichen, autobiografischen Tierdokus alle VHS-Kassette. Könnten sie nicht einmal etwas über Robben blobben? Ehm. Bloggen, natürlich. Oder über die verzwickte Situation in Uganda? Die Welt und Leserschaft sehnt sich nach der Bearbeitung aktueller, weltpolitischer Themen. Ihr ergebener Hugo von Fallersholzen.

Herr von Fallersholzen,

ich war schonmal in Uganda. Das Robbencamp in Uganda hat viele schöne Seiten. Vor allem aber schlechte. Robben fühlen sich nur im Schnee wohl. Schnee gibt es in Uganda zwar zuhauf, doch durch die globale Erwärmung ist er gelb, heiß und grobkörnig geworden.

Die Robben haben es dort nicht leicht. Lesen Sie weiter in meinem Erfahrungstatsachenberichtdings, “Allein unter Robben. Ein Deutscher in Uganda, aber halt unter Robben” (Springer Verlag, 425 Seiten, viel zu viele Abbildungen).

Ich hoffe, ich habe Ihre Frage richtig beantwortet. Ich hoffe, ich habe sie überhaupt richtig gelesen.

Herzlichst,

Franzi-Jo Wagnah

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Lieber Wladimir Putin,

Wladimir, Sie alte Hupe. Astrein, Ihr Auftritt vor begeisterten Parteianhängern vor ein paar Tagen in Moskau (Hauptstadt von Russland (liegt in Asien (rechts neben Deutschland))).

Sie haben Ihren Vorgänger Dimitri Medwedew nobel aus dem Amt komplimentiert und sich erneut als Premierpräsidenten vorschlagen lassen. Wenn alles klappt, regieren Sie dann bis 2024.

Sie verrieten dem neugierigen Volk: Sie seien noch voller Tatendrang, hätten viel vor. “Die Poloniombestände werden gerade neu aufgefrischt”, scherzten Sie jovial zwinkernd in die Kameras des Staatsfernsehens. Ihr lebensbejahender Humor ist berüchtig, beliebt, beneidet.

Was wird aus Dimitri Medwedew? Keine Ahnung. Wissen Sie höchstwahrscheinlich selber auch nicht. Aber das müssen Sie ja auch nicht. Vermutlich geht es Ihnen ähnlich wie mir, müssen stets nachgooglen, wie man seinen Nachnamen schreibt. Oder die Namen Ihrer Kinder. “Russische Sprache, schwere Sprache”, hat meine Mutti immer gesagt. Auch sie hatte viel Kontakt mit Russen, aus geschäftlichen Gründen.

Sie packen den Kreml an, werden die verkrusteten Strukturen neu aufbrechen, nur um sie dann vorsorglich wieder festzubetonieren. So muss das sein. Ich bin ein Bewunderer Ihrer Politik nach dem Motto “Freundlich, aber bestimmt”.

Die Politik braucht Leute wie Sie.

Herzlichst, Ihr Fan

Franz- Josef “Stalin” Wagnah.

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Kanzlerin Angela Merkel,

Sie haben es nicht leicht.

Krisenkanzlerin. Pleitepolitikerin. Insolvenzingeneurin. Zinsenziege. Euroeule. Dies sind noch die besten Alliterationen, die mir einfallen, wenn ich an Sie denke.

Was ist aus Ihnen geworden? Sie waren mal wer. Glitzerten im Ruhm der internationalen Presse wie sonst nur unser Volk anno 2006 nach der Fußball-WM. Doch seit einiger Zeit verfinstern sich die Wolken über dem Kanzleramt. Was ist geschehen, was ist los? Woran liegt’s?

Gestern waren Sie beim sympathischen Talkshow-Talker Günther Jauch (neuerdings ARD). Sie erzählten ihm: “Ich möchte eine eigene Mehrheit und bin zuversichtlich, dass ich sie bekomme.” Sowas sage ich bloß, wenn ich besoffen bin (werktags, Stammkneipe, nach zwei drei Schnäpsen). Sie bekommen dafür Geld, ich nicht. Ich bin neidisch.

Sie sagten: “Ich bin davon überzeugt, dass Europa gut für uns ist.” Kanzlerin Merkel, Sie sind Physikerin. Sie wissen, dass Druck entweichen muss, sonst fliegt uns der ganze Kessel voller Euroscheiße um die Ohren. Woraus besteht der Kessel? Aus dem Geld mündiger Bürger? Aus meinem Ersparten? Aus den Lasten unserer Kinder? Aus ganz normalem Metall, wie das meistens bei Kesseln der Fall ist?

Darauf wussten Sie gestern auch keine Antwort, hüllten es in das phrasengeschwängerte Polit-Blablablubberfasel. “Bla bla, laber rhabarber”, hat meine Mutter mir immer gesagt, als ich abends mit erbärmlichen Ausreden nach Hause kam. Heute erledigt das für mich mein Spiegelbild.

Frau Merkel. Das hier ist keine Anklageschrift. Im Grunde mag ich Sie ja, würd ja sonst nicht für die BILD schreiben, hahaha. Auch Ihr Heimatland, Ostdeutschland, ist schön. Zwar nicht so schön wie der Rest unseres wunderbaren Landes. Aber auch ganz okay, find ich.

Laden Sie mich doch mal ins Kanzleramt ein. Sie erklären mir, woraus Kessel gebaut werden und ich gebe Ihnen dafür ein, zwei Schnäpse aus. Ist das ‘n Deal?

Herzlichst,

Ihr Franz-Josef Wagnorrrrr.

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Ey! Liebe Frauen,

ihr habt es nicht leicht. Überall auf der Welt gibt es euretwegen Stress. Beste Männerfreundschaften zerbrechen dank euch. Knapp vier Milliarden gibt es von euch und dennoch ist keine von euch einer anderen Frau identisch. Ihr seid wie Schneeflocken. DNA-Stränge. Fingerabdrücke. Kolumnen von mir.

Ich gebe zu, bekenne, lege Geständnis ab: Auch ich saß einmal in einer Kneipe, damals im wilden Hamburg der wilden 60er, auch ich war damals wild. Ich rebellierte gegen meine Herkunft, meine Eltern. Ich wollte dem Staat die Meinung geigen - notfalls auch mit der Arschgeige. Für diesen Wortwitz bekomme ich extra viel Geld.

Damals saß ich im wilden Hamburg der wilden 60er in einer wilden Hafenkneipe und ich erzählte Ede, Walli und Jo die wildesten Witze. Ich gebe zu: Viele dieser Witze waren frauenfeindlich. Das bereue ich. Wurde von zahlreichen Frauen auch vermöbelt. Viele dieser Frauen waren witzefeindlich. “Ich kann tun, was ich will. Ich verstehe einfach keinen Spaß”, sagte meine Mutter einst. Sie war auch eine Frau (werktags).

Liebe Frauen. Heute jährt sich eure Erfindung zum 10.000sten Mal. Ich gratuliere. Und bitte euch, öfter mal auch über euch selber lachen zu können. Euer Erfinder, Detlev Maria Frau, hätte es sich bestimmt auch gewünscht. Ich mein, hey, jetzt mal ehrlich - ihr seid manchmal echt doof. Wisst ihr doch selber. Seht ihr, jetzt müsst ihr auch lachen. Das liebt ihr an uns Männern doch so: Dass wir euch stets zum Lachen bringen. Bei mir reicht das mitunter schon durch mein Aussehen.

Es ist schön, ein Lachen zu teilen. Wurde mir gesagt.

Herzlichst,

euer FJ Wagnah (Handynummer auf Anfrage. Heute abend passt mir gut!)

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Liebe Wahlplakate,

ihr flößt mir Angst ein. Ihr seid überall. Ihr noch nicht abgehängten Plakate des Berliner Wahlkampfs hängt vor meiner aschfahlen Häuserfassade. Die Plakate starren mich ein, raunen mir zu: Franz-Josef, komm heraus, schau uns an. Widerstand ist zwecklos, wispern sie. Ich verbarrikadiere mich hinter meinem PC und tippe diese Kolumne. Damit habe ich für die nächsten drei, vier, fünf Stunden Ruhe.

Doch es ist die Ruhe vor dem Sturm. Irgendwann muss ich ja doch raus und für die neue Woche einkaufen: Knoblauchzehen, Zwiebeln, Kippen, drei vier fünf Flaschen Rotwein, Unterwäsche. Vor meinem Stamm-Aldi hängt ihr schon wieder. Ich kann euch zurufen, der Wahlkampf ist vorbei, geht nach Hause, wir brauchen euch nicht mehr, es ist alles entschieden. Doch das tue ich nicht. Als ich das das letzte Mal tat, wurde die Polizei gerufen. Berliner passen aufeinander auf. Scheiße ist das.

Wahlplakate nach der Wahl - ihr regt auf, macht einen fertig. Ständig überlegt man: Und wenn ich diesmal doch nicht CDU gewählt hätte? Wenn ich mich doch anders entschieden hätte? Wenn der Wahlabend dadurch einen anderen Verlauf gehabt hätte? “Hätte, hätte, Fahrradkette”, hat meine Mami immer gesagt. Sie musste es wissen, bog Kruppstahl eigenhändig zu Fahrrädern zusammen.

Plakate! Wo kommt ihr hin, wenn ihr abgehängt seid? Werdet ihr verschrottet, verbrannt, zu einem anderen Bundesland geschickt? Da, wo die Leute doof genug sind, um nicht zu bemerken, dass auf den Plakaten nicht von ihrem Bundesland gesprochen wird? Geht die Reise wirklich nach Mecklenburg-Vorpommern?

Ehrlich? Dann bemitleide ich euch doch ein bisschen.

Herzlichst,

Ihr Franzl-Josef Wagnah

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Sehr geehrter Herr Wulff,

Sehr geehrter Herr Wulff,

Sie sind Bundespräsident. Bundespräsidenten haben es nicht leicht. Müssen Auslandseinsätze abackern. Kinder bejubeln. Blaskapellen zuhören. Ein Scheißjob, würde meine Mama sagen.

Jetzt jedoch sind Sie vom Glück geradezu gesegnet. Sie durften den Papst vom Rollfeld abholen. Das durfte außer Ihnen, Ihrer Frau, Angela Merkel (Bundeskanzlerin) sowie ein paar Bodyguards keiner.

Ich saß zu Hause, schmierte mir gerade mein drittes Knoblauchcremebrot. Meine Nachbarin brüllte vom Balkon über mir herunter, ich solle den Fernseher einschalten, der Papst sei da.

Ich schaltete ein und sah Sie. Wie Sie liebevoll das Cape des Papstes im Winde zurechtrückten. Eine hundsalberne Geste für manche, eine hundsgeile Metapher für mich. Elton John hätte gesungen: “Like a Käppchen in the Wind.” Wie Sie im Schloss Bellevue den Papst ins Kreuzverhör nahmen. Ihn kritische, kontroverse, unbequeme Fragen stellten: “Wie finden Sie das mit den Frauen eigentlich so? Ist das noch Jesus? Möchten Sie Sahnesoße auf Ihre Hostien?” Ich hätte mich das nicht getraut. “Feiger Hundebengel”. Hat mir meine Mutter immer gesagt.

Ich traue mich generell nie etwas. Muss ich ja gottseidank auch nicht. Sie trauen sich auch selten was. Gestern aber schon. Das war gut. Ich hoffe, Ihnen haben die Hostien und der edle Burgunder-Messwein geschmeckt.

Herzlichst, Ihr Franz-Josef (Jupp) Wagnah